Rund um das „Primärarztsystem“ entsteht Suchnachfrage in Wellen — bei jeder Meldung. Dieser Beitrag trennt konsequent drei Ebenen: was gesagt wurde, was gerade läuft und was ausdrücklich noch nicht existiert. Denn für Ihre Niederlassungsentscheidung zählt der Unterschied zwischen Ankündigung und Beschluss.
Ein Primärarztsystem würde die Hausarztpraxis zur ersten Anlaufstelle machen: Fachärzt:innen würden in der Regel erst nach Überweisung aufgesucht. Stand August 2026 ist das angekündigt, aber nicht beschlossen — es gibt keinen Referentenentwurf, keinen Kabinettsbeschluss und kein verbindliches Datum. Für eine Niederlassung in den nächsten zwölf Monaten ändert es nach heutigem Stand nichts.
Der Begriff „Primärarztsystem“ beschreibt eine Steuerung der Patientenströme: Wer ärztliche Hilfe braucht, geht zuerst in die Hausarztpraxis (oder eine andere primärärztliche Anlaufstelle). Von dort wird bei Bedarf zur Fachärztin oder zum Facharzt überwiesen. Ziel ist, die Versorgung zu koordinieren und Kapazitäten gezielter zu nutzen. Für die Niederlassung ist die Frage naheliegend: Wertet das die Hausarztpraxis auf — und was heißt das für die Wahl zwischen Hausarzt- und Facharztsitz?
Bevor man daraus etwas ableitet, lohnt der nüchterne Blick auf den Stand. Denn zwischen einer politischen Ankündigung und einem beschlossenen Gesetz liegen mehrere Stationen — und genau dort steht das Thema gerade.
Suchnachfrage entsteht bei jeder Meldung. Belastbar ist ein Thema aber erst, wenn man trennt, was gesagt wurde, was läuft und was noch nicht existiert.
BMG-Staatssekretär Tino Sorge erklärte am 13.10.2025 im Petitionsausschuss, der Gesetzentwurf komme nicht mehr 2025, sondern „im Laufe des kommenden Jahres“. Anlass war eine Petition des Hausärzt:innenverbands mit 495.526 Mitzeichnungen.
2026 läuft die fachliche Vorbereitung weiter — unter anderem mit einem zweiten Fachgespräch zur Primärversorgung im BMG am 03.03.2026. Das Thema ist also aktiv in Arbeit.
Es gibt bis heute keinen veröffentlichten Referentenentwurf, keinen Kabinettsbeschluss und kein verbindliches Inkrafttretensdatum. Sekundärberichte nennen „Kabinett 2026“ oder „Wirkung ab 2028“ — das sind Einordnungen, keine Beschlüsse.
Die eigentliche Gründerfrage — und eine ehrliche Antwort.
Nach heutigem Stand lautet die Antwort für eine Niederlassung in den nächsten zwölf Monaten: nein. Es gibt keine beschlossene Regel, an der Sie Ihre Standort- oder Sitzwahl ausrichten müssten. Die Richtung ist allerdings erkennbar: Die politische Debatte wertet die Rolle der Hausarztpraxis als koordinierende erste Anlaufstelle tendenziell auf. Für angehende Hausärzt:innen ist das eher Rückenwind, für fachärztliche Gründungen kein akutes Risiko — die fachärztliche Versorgung bleibt gebraucht, die Frage ist die Zuweisung, nicht die Existenz.
Weit wichtiger für Ihre Entscheidung sind die Faktoren, die heute schon feststehen: Ist am Wunschstandort überhaupt ein Sitz frei (Bedarfsplanung, Nachbesetzung)? Wie sieht das Einzugsgebiet aus? Diese Fragen entscheiden über die Tragfähigkeit — eine unbeschlossene Reform tut es nicht.
Drei Schritte, die heute tragen, ganz gleich, wann und wie das Primärarztsystem kommt.
Ob ein Sitz frei ist und welcher Weg zu Ihnen passt, entscheidet mehr über Ihre Praxis als jede noch nicht beschlossene Reform. Unser Überblick sortiert beide Wege — ehrlich und mit Blick auf Ihren Fachbereich.
Quellen: Deutscher Bundestag, hib 503/2025 „BMG: Regelung zum Primärarztsystem kommt erst 2026“ (13.10.2025) — bundestag.de. AOK, Zweites Fachgespräch Primärversorgung im BMG (03.03.2026) — aok.de (PDF). Einordnung u. a.: zm-online. Stand: 25.08.2026, in Arbeit, nicht beschlossen. Redaktioneller Beitrag, keine Rechtsberatung.
Die Faktoren, die heute schon über Ihre Praxis entscheiden.
Beide Wege im ehrlichen Vergleich — je Praxiswelt.
Zum Vergleich →KV-Sitz, Fachrichtung, Zuweiser und Niederlassung im Überblick.
Zur Übersicht →Bedarfsplanung, Versorgungsgrad und Einzugsgebiet richtig lesen.
Zum Standort-Check →Bedarfsplanung, HZV und Landarztförderung — der Weg zur eigenen Hausarztpraxis.
Zur Neugründung →Aktuelle Investitionszahlen nach Fach und Gründungsform.
Zu den Zahlen →Reformen, Fristen und Zahlen für Praxisgründer:innen.
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