Die erste Weiche

Praxis gründen oder übernehmen?

Die vielleicht wichtigste Entscheidung am Anfang — und sie hängt oft davon ab, ob am Wunschstandort ein Sitz frei ist. Neugründung heißt maximale Freiheit, aber Aufbau von Null. Übernahme heißt Patientenstamm ab Tag 1, aber Kaufpreis und gewachsene Strukturen. Dieser Überblick sortiert beide Wege — ehrlich und ohne Beschönigung.

Auf den Punkt

Zwei Wege führen in die eigene Praxis: die Neugründung auf der grünen Wiese und die Übernahme einer bestehenden Praxis. Die Neugründung gibt Ihnen die größte Gestaltungsfreiheit, verlangt aber Geduld beim Patientenaufbau. Die Übernahme bringt Patientenstamm, Team und Umsatz ab dem ersten Tag — dafür zahlen Sie einen Kaufpreis und übernehmen gewachsene Strukturen. In vielen Fachgebieten ist die Übernahme der häufigere Weg, weil sie das Anlaufrisiko senkt und in gesperrten Gebieten oft der einzige Weg zu einem Kassensitz ist. Welcher Weg passt, entscheiden Standort, Kapital, Risikobereitschaft — und ob ein Sitz frei ist.

Die zwei Wege

Neugründung und Übernahme im Überblick

Beide Wege führen ans Ziel, unterscheiden sich aber deutlich in Tempo, Risiko und Freiheitsgrad.

Neugründung

Von Null aufbauen

  • Freie Standortwahl, wo Bedarf und Sitz es zulassen
  • Ausstattung, Software und Team nach eigenem Kopf
  • Moderne Technik von Tag 1 — kein Modernisierungsstau
  • Oft geringere Einstiegskosten als eine Übernahme
  • Patientenstamm muss erst aufgebaut werden
  • Längere Anlaufphase, höherer Marketing-Aufwand
Übernahme

Bestehende Praxis übernehmen

  • Patientenstamm und Umsatz ab Tag 1
  • Eingespieltes Team und Prozesse, weniger Orga
  • Planbarere Einnahmen, oft leichtere Finanzierung
  • In gesperrten Gebieten meist der einzige Weg zum Sitz
  • Höherer Kaufpreis (materieller + ideeller Wert)
  • Altlasten, Technikalter und Kultur sauber prüfen
Der direkte Vergleich

Neugründung vs. Übernahme — Kriterium für Kriterium

Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick. Was für Sie schwerer wiegt, hängt von Ihrer Situation ab.

KriteriumNeugründungÜbernahme
StandortwahlFrei — wo Sitz und Bedarf offen sindAn den bestehenden Standort gebunden
PatientenstammVon Null aufbauenAb Tag 1 vorhanden
AnlaufrisikoHöher — Einnahmen wachsen langsamGeringer — laufender Betrieb
EinstiegskostenOft niedriger (kein Kaufpreis)Kaufpreis plus Übergabe
TeamNeu aufbauen und einarbeitenEingespielt — Kultur mit übernehmen
GestaltungsfreiheitMaximalEingeschränkt — gewachsene Strukturen
FinanzierungAuf Basis des BusinessplansOft leichter — belastbare Ist-Zahlen
Tempo bis VollauslastungLangsamerSchneller

Orientierung, keine Garantie: Welches Kriterium in Ihrem Fall den Ausschlag gibt, klären Sie mit Businessplan, Steuer- und Rechtsberatung.

Die Entscheidung

Wann passt welcher Weg?

Eine Neugründung ist meist die bessere Wahl, wenn Sie ein sehr eigenes Konzept umsetzen möchten, wenn es am Wunschstandort keine passende Praxis zu kaufen gibt, oder wenn Niederlassungsfreiheit gilt und der Standort frei wählbar ist (typisch in der Zahnmedizin). Sie brauchen dafür etwas mehr Risikobereitschaft und einen Liquiditätspuffer für die Anlaufphase.

Eine Übernahme spielt ihre Stärken aus, wenn Sie einen planbaren Start mit Umsatz ab Tag 1 wollen, wenn Ihr Wunschgebiet wegen Überversorgung gesperrt ist (typisch in der Humanmedizin — der Sitz wird dann nachbesetzt), oder wenn ein eingespieltes Team und ein fester Patientenstamm für Sie mehr wiegen als die volle Gestaltungsfreiheit.

Der Markt entscheidet mit: Ob Sie überhaupt frei wählen können, hängt am Fachgebiet. Bei Niederlassungsfreiheit (Zahnmedizin) ist die Neugründung leichter; in Fächern mit Bedarfsplanung (Humanmedizin) führt in gesperrten Gebieten fast nur die Übernahme zum Kassensitz. Prüfen Sie den Status Ihres Planungsbereichs deshalb früh bei der zuständigen KV bzw. KZV.
Ihr Weg nach Praxiswelt

Direkt zum passenden Fahrplan

Beide Wege — für jede Praxiswelt ein eigener, detaillierter Leitfaden mit Zulassung, Finanzierung und Timeline.

Zahnmedizin

Zahnarztpraxis

Niederlassungsfreiheit — der Standort ist frei wählbar.

Neugründung →  ·  Übernahme →

Humanmedizin

Arztpraxis

Bedarfsplanung — der Kassensitz ist oft der Engpass.

Neugründung →  ·  Übernahme →

Therapie

Therapiepraxis

Heilmittel & Psychotherapie — zwei Zulassungswege.

Neugründung →  ·  Übernahme →

Klinik / MVZ

Klinikpraxis & MVZ

Trägerschaft, Zulassung und ärztliche Leitung.

Neugründung →  ·  Übernahme →

Und danach?

Weg gewählt — jetzt sollen die richtigen Patient:innen kommen.

Ob Neugründung oder Übernahme: Am Ende entscheidet die Sichtbarkeit. Genau hier übernehmen wir — Website, lokale Auffindbarkeit, Bewertungen und Ihre eigene Praxis-KI.

Häufige Fragen

Gründen oder übernehmen — kurz erklärt

Ist eine Neugründung oder eine Übernahme günstiger?
Pauschal lässt sich das nicht sagen. Eine Neugründung hat oft niedrigere Einstiegskosten, weil kein Kaufpreis für einen bestehenden Patientenstamm anfällt — dafür tragen Sie eine längere Anlaufphase mit noch geringen Einnahmen. Bei der Übernahme zahlen Sie einen Kaufpreis, starten aber mit laufendem Umsatz. Verlässlich wird der Vergleich erst mit einem Businessplan und Ihrer Steuerberatung.
Welcher Weg ist weniger riskant?
Tendenziell die Übernahme: Patientenstamm, Team und Umsatz sind ab Tag 1 vorhanden, das wirtschaftliche Anlaufrisiko ist geringer. Deshalb ist sie in vielen Fachgebieten der häufigere Weg. Die Neugründung ist riskanter, gibt Ihnen aber die volle Gestaltungsfreiheit.
Kann ich in einem gesperrten Planungsbereich gründen?
In der Humanmedizin oft nicht: Ist ein Planungsbereich wegen Überversorgung gesperrt, führt der Weg meist über die Übernahme eines bestehenden Kassensitzes (Nachbesetzungsverfahren). In der Zahnmedizin gilt Niederlassungsfreiheit — dort ist eine Neugründung grundsätzlich überall möglich. Prüfen Sie den Status früh bei Ihrer KV/KZV.
Wie finde ich eine Praxis zur Übernahme?
Über die Praxisbörsen der KVen, spezialisierte Vermittler, Fachmakler, Ärztenetzwerke und oft über persönliche Kontakte. Ältere Kolleg:innen im Wunscheinzugsgebiet sind potenzielle Abgeber:innen — ein Blick auf die Altersstruktur der Praxen vor Ort lohnt sich.
Wie wird der Wert einer Praxis bestimmt?
Üblich ist das modifizierte Ertragswertverfahren: Es bewertet den materiellen Wert (Einrichtung, Geräte) plus den ideellen Wert (Patientenstamm, Ruf, Lage). Die konkrete Zahl ist Verhandlungssache und gehört von einer auf Heilberufe spezialisierten Beratung geprüft.
Was ist häufiger — gründen oder übernehmen?
In den meisten Fachgebieten überwiegt die Übernahme, weil sie das Anlaufrisiko senkt und in vielen Gebieten ohnehin der einzige Weg zu einem Kassensitz ist. Wo Niederlassungsfreiheit gilt oder ein sehr eigenes Konzept umgesetzt werden soll, ist die Neugründung die bessere Wahl.