Therapie · Standortwahl

Standortwahl Therapiepraxis — der Standort folgt dem Rezept.

Heilmittelpraxen (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie) leben von ärztlichen Verordnungen — deshalb ist die Nähe zu verordnenden Arztpraxen der härteste Standortfaktor, nicht die Einwohnerzahl. Eine Bedarfsplanung gibt es hier nicht; die Kassenzulassung läuft über die IK-Nummer. Psychotherapie mit Kassensitz folgt dagegen einer völlig anderen Logik: Bedarfsplanung und freier Sitz.

▸ Heilmittel: Verordnernähe▸ IK-Zulassung statt Bedarfsplanung▸ Psychotherapie: Kassensitz

Auf den Punkt

Therapiepraxen kennen zwei Standort-Logiken. Heilmittelpraxen (Physio, Ergo, Logo) unterliegen keiner Bedarfsplanung, leben aber von ärztlichen Verordnungen: 2024 flossen rund 13,3 Milliarden Euro GKV-Heilmittelausgaben, über 60 Prozent der Verordnungen stammen von Haus- und Orthopädie-Praxen. Der härteste Standortfaktor ist die Nähe zu diesen Verordnern. Psychotherapie-Kassensitze sind dagegen ab 110 Prozent Versorgungsgrad gesperrt.

Der Unterschied

Zwei Systeme, zwei Standort-Logiken

Bevor Sie eine Immobilie besichtigen, klären Sie Ihr System. Heilmittel und Psychotherapie teilen sich kaum eine Standort-Kennzahl — die eine folgt dem Verordnungsverhalten der Ärzt:innen, die andere dem freien Kassensitz.

Heilmittel · Physio, Ergo, Logo

Verordner- & Arztdichte

  • Keine Bedarfsplanung — Kassenzulassung über die IK-Nummer (§ 124 SGB V)
  • Nachfrage entsteht fast nur aus ärztlichen Verordnungen
  • Nähe zu verordnenden Haus- und Fachärzt:innen ist entscheidend
  • Patient:innen kommen mehrmals pro Woche, bleiben wohnortnah
  • Zusätzlich: Selbstzahler-Potenzial für Prävention und Wellness
  • Ohne Verordner in der Nähe bleibt die Auslastung schwach
Psychotherapie

Kassensitz & Bedarfsplanung

  • Kassensitze unterliegen der Bedarfsplanung der KV
  • Ab 110 % Versorgungsgrad ist der Planungsbereich gesperrt
  • In gesperrten Bereichen meist nur per Nachbesetzung, Sonderbedarf oder Jobsharing
  • Nachfrage oft höher als das Angebot — großes Einzugsgebiet möglich
  • Privatpraxis: Standort frei, Abrechnung über Selbstzahler/Kostenerstattung
  • Kassensitz in Ballungszentren besonders knapp

Der Kern ist schnell erzählt: Eine Heilmittelpraxis erbringt, was Ärzt:innen verordnet haben — kein Rezept, keine Kassenleistung. Damit verschiebt sich die Standortfrage weg von „Wo wohnen genug Menschen?" hin zu „Wo verordnen genug Ärzt:innen — und schicken ihre Patient:innen zu mir?". Bei der Psychotherapie ist es fast umgekehrt: Die Nachfrage übersteigt vielerorts das Angebot, der Engpass ist der Kassensitz und ein offener Planungsbereich. Wer beide Welten nicht sauber trennt, plant mit den falschen Kennzahlen.

Der gemeinsame Nenner bleibt das Einzugsgebiet: Heilmittel-Patient:innen kommen mehrmals pro Woche und bleiben wohnortnah; Psychotherapie-Patient:innen nehmen für einen Platz längere Wege in Kauf. Ihr Standort muss zum Frequenz-Muster Ihrer Leistung passen — ein enger, barrierefreier Radius für Heilmittel, ein größerer für die Psychotherapie.
Datenpunkt 1 · Verordnungsvolumen

Der Heilmittelmarkt wächst — aber er fließt über Rezepte

Der Bedarf an Physio, Ergo und Logo ist groß und steigt mit einer alternden Bevölkerung. Für den Standort zählt aber nicht die Marktgröße allein, sondern woher die Verordnungen kommen.

13,3 Mrd. €

GKV-Heilmittelausgaben 2024 — rund doppelt so viel wie 2015 (6,65 Mrd. €).

Heilmittelreport 2026 (WIdO / GKV-HIS)
82,4 %

Anteil der Physiotherapie an allen Heilmittel-Verordnungen (2024).

Heilmittelreport 2026
34 %

der Heilmittel-Verordnungen stammen von Haus-/Allgemeinärzt:innen, weitere 27,2 % von Orthopäd:innen (2018).

WIdO Heilmittelbericht (GKV-HIS)
4,0

Heilmittelbehandlungen je GKV-Versicherte:r pro Jahr — davon rund 3,3 Physiotherapien (2018).

WIdO Heilmittelbericht (GKV-HIS)

Die gesetzlichen Kassen gaben 2024 rund 13,3 Milliarden Euro für Heilmittel aus — etwa doppelt so viel wie zehn Jahre zuvor, mit weiter steigender Tendenz. Die Physiotherapie dominiert mit rund 82 Prozent aller Verordnungen und knapp 70 Prozent des Umsatzes; Ergotherapie, Logopädie und Podologie teilen sich den Rest. Ein wachsender Markt ist zunächst eine gute Nachricht.

Für den Standort entscheidend ist aber die zweite Zahlengruppe: Fast jede dieser Milliarden fließt über eine ärztliche Verordnung. 2018 stellten Allgemein- und Hausärzt:innen rund 34 Prozent aller Heilmittel-Verordnungen aus, Orthopäd:innen weitere 27,2 Prozent — zusammen über die Hälfte; in neueren Auswertungen liegen beide Gruppen bei je rund einem Drittel. Wenige Facharztgruppen speisen also den Großteil Ihres möglichen Rezeptzuflusses. Wo diese Praxen sitzen, sitzt Ihr Markt.

HeilmittelbereichAnteil an allen GKV-Heilmittel-LeistungenTypische Hauptverordner
Physiotherapie83,7 %Orthopädie/Chirurgie, Hausärzt:innen
Ergotherapie7,3 %Hausärzt:innen, Neurolog:innen, Kinderärzt:innen
Sprachtherapie (Logopädie)5,0 %Kinderärzt:innen, HNO, Neurolog:innen
Podologie4,0 %Hausärzt:innen (v. a. Diabetes-Verordnungen)

Quelle: WIdO-Heilmittelbericht (Basis: GKV-Heilmittel-Informationssystem GKV-HIS), Leistungsanteile GKV 2018 — aerztezeitung.de; aktuelle Ausgaben- und Umsatzanteile 2024 aus dem Heilmittelreport 2026 (wido.de). Die Zuordnung der Hauptverordner ist eine zusammenfassende Einordnung nach Diagnose- und Fachgruppenschwerpunkten.

Was das Verordnungsvolumen für den Standort bedeutet

Übersetzen Sie die Statistik in Ihre Karte: Wer eine Physiopraxis plant, orientiert sich primär an orthopädischen und hausärztlichen Praxen. Eine logopädische Praxis lebt stärker von Kinderarzt-, HNO- und neurologischen Verordnungen, eine ergotherapeutische von Hausärzt:innen, Neurolog:innen und Kinderärzt:innen. Die richtige Verordner-Landkarte hängt also von Ihrer Fachrichtung ab — eine Physiopraxis neben einer reinen Kinderarztpraxis hat viele Nachbarn, aber wenige passende Verordner.

Standortfaktor Nr. 1

Nähe zu verordnenden Praxen schlägt Einwohnerzahl

In fast jeder anderen Praxiswelt zählt zuerst die Bevölkerung im Einzugsgebiet. In der Heilmittelwelt zählt zuerst, wie viele Ärzt:innen in erreichbarer Nähe verordnen — und ob sie zu Ihnen schicken.

Stellen Sie sich zwei Ladenlokale vor: das eine an belebter Straße mit 12.000 Menschen im Radius, aber ohne Arztpraxis in Gehweite; das andere in einem Ärztehaus mit zwei orthopädischen Praxen, drei Hausärzt:innen und einer Neurologie — bei nur 6.000 Menschen ringsum. Für eine Physiopraxis ist das zweite die klare Wahl: Dort entsteht der Rezeptstrom, von dem die Auslastung lebt. Die Nähe wirkt dabei dreifach — kurze Wege senken die Abbruchquote beim Einlösen des Rezepts, bekannte Praxen mit kurzen Wartezeiten werden häufiger aktiv empfohlen, und Rückfragen wie Folgeverordnungen laufen einfacher. Genau deshalb sind Ärztehäuser und Lagen neben orthopädischen oder hausärztlichen Praxen so begehrt.

Verordner sind keine Garantie, sondern eine Chance: Nähe verschafft den ersten Zugang — halten müssen Sie ihn mit kurzen Wartezeiten und verlässlicher Terminvergabe. Der beste Standort neben zehn Verordnern trägt nicht, wenn Patient:innen wochenlang auf einen Termin warten. Prüfen Sie deshalb beides: die Verordner-Dichte und Ihre eigene Kapazität, den Zufluss zu bedienen.

Für die Standortsuche heißt das: Zeichnen Sie zuerst die verordnenden Praxen in Ihre Karte, nicht die Wohnblöcke. Zählen Sie im Fahrzeit-Radius die Haus-, Orthopädie-, Neurologie-, Kinder- und HNO-Praxen — je nach Fachrichtung —, achten Sie auf anstehende Nachfolgen und prüfen Sie, wie viele Heilmittelpraxen sich denselben Verordner-Pool bereits teilen.

Datenpunkt 2 · Zulassung

Kassenzulassung per IK-Nummer — ohne Bedarfsplanung

Damit Sie mit den gesetzlichen Kassen abrechnen dürfen, brauchen Heilmittelpraxen eine Zulassung nach § 124 SGB V und ein Institutionskennzeichen. Anders als bei Ärzt:innen entscheidet dabei kein regionaler Bedarf über Ihren Standort.

Die gute Nachricht zuerst: Für Physio-, Ergo-, Logopädie-, Podologie- und Ernährungstherapie-Praxen gibt es keine Bedarfsplanung und keine 110-Prozent-Sperre — Sie dürfen sich niederlassen, wo Sie möchten. Für die Abrechnung mit der GKV brauchen Sie die Zulassung nach § 124 SGB V. Darüber entscheidet eine Arbeitsgemeinschaft der Landesverbände der Krankenkassen und der Ersatzkassen mit Wirkung für alle Kassen; seit dem 1. September 2019 gilt ein vereinfachtes, zentrales Verfahren.

Geprüft werden drei Dinge: die erforderliche Ausbildung samt Berufserlaubnis (oder ein vergleichbarer akademischer Abschluss), eine zweckmäßige Praxisausstattung und die Anerkennung der Versorgungsverträge nach § 125 SGB V. Konkretisiert werden die Anforderungen in den Zulassungsempfehlungen des GKV-Spitzenverbandes — dort sind auch Mindestgrößen für Behandlungsräume festgelegt (in der Regel mindestens 8 m², zuzüglich Fläche je Gerät). Für die Standortwahl ist das entscheidend: Nicht jede schöne Ladenfläche erfüllt die Raumanforderungen. Prüfen Sie den Zuschnitt, bevor Sie unterschreiben.

Frei ist der Standort — nicht die Zulassung: Die IK-Zulassung ist eine Qualitäts- und Ausstattungsprüfung, keine Bedarfsprüfung. Niemand schützt Ihren Standort vor Wettbewerb, aber niemand sperrt ihn auch. Die gesamte Verantwortung für die Tragfähigkeit liegt bei Ihrer eigenen Standort- und Verordner-Analyse.
KriteriumHeilmittel-Kassenpraxis (IK)Psychotherapie (Kassensitz)Privat-/Selbstzahlerpraxis
BedarfsplanungNeinJa (KV, ab 110 % gesperrt)Nein
Standort frei wählbarJaNur in offenen PlanungsbereichenJa
Zulassung überARGE der Landesverbände, IK (§ 124 SGB V)Zulassungsausschuss der KV, KassensitzKeine Kassenzulassung nötig
Hauptquelle der NachfrageÄrztliche VerordnungenPatientennachfrage (oft > Angebot)Selbstzahler, Prävention, Kaufkraft
Härtester StandortfaktorNähe zu VerordnernFreier KassensitzKaufkraft & Nachfrage

Quellen: § 124 SGB V (Zulassung, Stand 2026) — gesetze-im-internet.de; Zulassungsempfehlungen & Verfahren — vdek.com / gkv-spitzenverband.de; Bedarfsplanung Psychotherapie — kbv.de.

Der Sonderfall

Psychotherapie: Kassensitz und Bedarfsplanung

Wer als Psychologische:r oder Ärztliche:r Psychotherapeut:in mit Kassensitz gründen möchte, spielt nach anderen Regeln. Hier gilt — wie bei Ärzt:innen — die Bedarfsplanung.

Psychotherapeut:innen gehören zur allgemeinen fachärztlichen Versorgung und werden auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte beplant — bundesweit rund 360 Planungsbereiche. Für jeden wird ein Versorgungsgrad berechnet. Unter 110 Prozent ist der Bereich offen; ab 110 Prozent gilt er als überversorgt und ist gesperrt. Dann kommen Sie in der Regel nur über drei Wege an einen Sitz: Nachbesetzung eines frei werdenden Sitzes, Sonderbedarfszulassung oder Jobsharing. Ab 140 Prozent soll der Zulassungsausschuss eine Nachbesetzung sogar ablehnen, sofern der Sitz nicht nötig ist.

Für die Standortwahl kehrt das die Reihenfolge um: Sie prüfen zuerst, wo überhaupt ein Sitz zu haben ist, und richten die Immobiliensuche danach aus — nicht umgekehrt. In vielen Städten und Speckgürteln sind die Bereiche seit Jahren gesperrt; frei werdende Sitze werden gehandelt. Die aktuellen Versorgungsgrade Ihres Wunschbereichs nennt die zuständige Kassenärztliche Vereinigung. Wer beim Ort flexibel ist, findet in ländlicheren, offenen Bereichen leichter einen Sitz — und trifft dort auf hohe, oft unbefriedigte Nachfrage.

Der Ausweg heißt Privatpraxis: Ohne Kassensitz sind Sie frei im Standort und rechnen über Selbstzahler:innen, Beihilfe/PKV oder das Kostenerstattungsverfahren ab. Das entkoppelt Sie von der Bedarfsplanung, macht Sie aber abhängiger von der Kaufkraft und der Zahlungsbereitschaft im Einzugsgebiet — der Übergang zum nächsten Thema.
Datenpunkt 3 · Kaufkraft & Selbstzahler

Privat- und Selbstzahlerpraxis: hier zählt die Kaufkraft

Ob Physiopraxis ohne Kassenzulassung, psychotherapeutische Privatpraxis oder ein starkes Präventions- und Selbstzahler-Segment neben der Kassenabrechnung — sobald Patient:innen selbst zahlen, wird die Kaufkraft im Einzugsgebiet zum harten Standortfaktor.

31.193 €

Kaufkraft je Einwohner im Bundesschnitt 2026 (+5 % bzw. +1.466 € zum Vorjahr).

NIQ Kaufkraft Deutschland 2026
42.751 €

Landkreis Starnberg — kaufkraftstärkster Kreis, rund 37 % über dem Schnitt.

NIQ Kaufkraft Deutschland 2026
24.538 €

Gelsenkirchen — kaufkraftschwächster Stadtkreis, mehr als 21 % unter dem Schnitt.

NIQ Kaufkraft Deutschland 2026
2.607 Mrd. €

gesamte Kaufkraft der Deutschen 2026 — verfügbares Nettoeinkommen inkl. Transfers.

NIQ Kaufkraft Deutschland 2026

Kaufkraft ist das nominal verfügbare Nettoeinkommen je Einwohner inklusive Transfers wie Renten und Kindergeld. Sie zeigt, wie viel Patient:innen für Leistungen übrig haben, die die Kasse nicht trägt: Prävention und Rückentraining, Sport- und Faszientherapie, Osteopathie, Lerntherapie oder eine psychotherapeutische Behandlung ohne Wartezeit. Die Spreizung ist beträchtlich — zwischen dem Landkreis Starnberg (42.751 Euro) und Gelsenkirchen (24.538 Euro) liegen über 18.000 Euro pro Kopf und Jahr. Für ein selbstzahlerlastiges Konzept ist das ein anderer Markt.

Ehrlich bleibt dabei: Eine reine Privatpraxis verzichtet bewusst auf den verordnungsgetriebenen Grundstrom, der eine Kassenpraxis trägt. Sie tauscht Planbarkeit gegen Freiheit — freien Standort, freie Preise, freie Terminhoheit, aber ohne automatischen Zufluss aus den Arztpraxen ringsum. In kaufkraftstarken Lagen mit klarer Positionierung kann das sehr gut funktionieren; in kaufkraftschwächeren Regionen ist die Kassenzulassung meist der sicherere Weg, ergänzt um ein Selbstzahler-Segment. Prüfen Sie den Kaufkraft-Index deshalb immer im Verhältnis zu Ihrem geplanten Selbstzahler-Anteil.

Zwei Ebenen

Makrolage vs. Mikrolage

Die Makrolage entscheidet, ob genug Verordner und zahlungsbereite Menschen in Reichweite sind. Die Mikrolage entscheidet, ob Patient:innen den Weg in genau Ihre Praxis ohne Hürden schaffen — in der Therapie wichtiger als fast überall sonst.

Makrolage

Region, Verordner und Einzugsgebiet

  • Dichte verordnender Praxen im Fahrzeit-Radius (je nach Fachrichtung)
  • Bei Psychotherapie: Versorgungsgrad und offener Planungsbereich
  • Einwohnerzahl, Altersstruktur und Bevölkerungsprognose
  • Kaufkraft-Index für das Selbstzahler-Segment (NIQ)
  • Zahl der Wettbewerbspraxen am selben Verordner-Pool
  • Kaum kurzfristig beeinflussbar — Sie wählen sie einmal
Mikrolage

Objekt, Erdgeschoss und Erreichbarkeit

  • Erdgeschoss, ebenerdiger und barrierefreier Zugang
  • Parkplätze direkt vor der Tür und ÖPNV in Gehweite
  • Raumzuschnitt für Behandlungsräume (in der Regel ≥ 8 m²) und Geräte
  • Sichtbarkeit von der Straße, gute Auffindbarkeit
  • Ausreichend Fläche und Ausbaureserve für weitere Behandler:innen
  • Nachträglich teuer zu ändern — vor Vertragsschluss prüfen

In der Therapie ist die Mikrolage oft der Unterschied zwischen voller und halber Auslastung. Ein großer Teil der Heilmittel-Patient:innen ist älter, bewegungseingeschränkt oder in Reha nach einer Operation — für sie wird eine Treppe ins erste Obergeschoss ohne Aufzug zur echten Hürde. Ebenerdiger, barrierefreier Zugang und Parkplätze vor der Tür sind deshalb keine Komfortmerkmale, sondern Zugangsvoraussetzungen. Rechnen Sie zusätzlich die Raumanforderungen der Zulassungsempfehlungen ein: Die Fläche muss nicht nur schön, sondern auch zulassungsfähig sein.

Zum Abhaken

Standort-Kriterien-Checkliste Therapie

Zehn Prüfpunkte, bevor Sie einen Mietvertrag unterschreiben oder eine Praxis übernehmen. Klicken Sie die Punkte durch, die Sie geklärt haben.

1 · System klärenHeilmittel mit IK-Zulassung, Psychotherapie mit Kassensitz oder reine Privatpraxis? Das bestimmt alle weiteren Kennzahlen.
2 · Verordnende Praxen im Umkreis zählenJe nach Fachrichtung: Orthopädie, Hausärzt:innen, Neurologie, Kinderärzt:innen, HNO — nach Fahrzeit, nicht nach Postleitzahl.
3 · Einzugsgebiet nach Fahrzeit definierenHeilmittel eng und wohnortnah (mehrmals pro Woche), Psychotherapie großzügiger.
4 · Bei Psychotherapie: Planungsbereich prüfenVersorgungsgrad bei der KV abfragen — offen (< 110 %) oder gesperrt? Sitzverfügbarkeit klären.
5 · Zulassungsvoraussetzungen § 124 SGB V klärenAusbildung/Berufserlaubnis, Anerkennung der Versorgungsverträge, IK-Nummer beantragen.
6 · Raum- und Flächenanforderungen prüfenBehandlungsräume in der Regel ≥ 8 m², plus Fläche je Gerät — Zulassungsempfehlungen des GKV-Spitzenverbandes beachten.
7 · Barrierefreiheit und Parkplätze sichernErdgeschoss, ebenerdiger Zugang, Parken vor der Tür — für ältere und bewegungseingeschränkte Patient:innen essenziell.
8 · Wettbewerb am selben Verordner-Pool bewertenWie viele Heilmittelpraxen teilen sich dieselben Ärztehäuser? Wartezeiten und Schwerpunkte der Konkurrenz prüfen.
9 · Kaufkraft und Selbstzahler-Potenzial abgleichenPasst der Kaufkraft-Index (NIQ) zum geplanten Anteil an Prävention, Wellness und Privatleistungen?
10 · Mietniveau und Ausbaureserve prüfenGenug Fläche für zusätzliche Behandlungsräume und Behandler:innen — Erweiterung von Anfang an mitdenken.

Diese Kriterien gibt es auch als strukturierte Vorlage: die Standort- & Einzugsgebiet-Analyse zum kostenlosen Download.

Das Kalkül

Rechenbeispiel: das Verordnerpotenzial abschätzen

Ein vereinfachtes Beispiel zeigt, wie Sie den möglichen Rezeptzufluss in einem Einzugsgebiet grob einordnen. Die Werte sind Annahmen zur Illustration — keine Ertragsprognose.

Angenommen, Sie planen eine Physiopraxis und prüfen ein Mittelzentrum mit rund 30.000 Einwohnern im Einzugsgebiet (etwa 15 Fahrminuten). Ein grober Anker: Jede:r GKV-Versicherte erhält rechnerisch rund 4 Heilmittelbehandlungen pro Jahr, gut 8 von 10 davon Physiotherapie. Für 30.000 Menschen sind das überschlägig rund 120.000 Heilmittelleistungen im Jahr, davon etwa 100.000 physiotherapeutische — die Bruttonachfrage, um die alle zugelassenen Physiopraxen im Gebiet konkurrieren.

Jetzt der entscheidende zweite Schritt — die Verordner. Zählen Sie im Fahrzeit-Radius die Praxen, die tatsächlich verordnen: Hausärzt:innen und vor allem orthopädische Praxen stellen zusammen über die Hälfte aller Heilmittel-Verordnungen. Liegen im Beispielgebiet etwa zwölf hausärztliche und drei orthopädische Praxen, ist das ein solides Fundament. Prüfen Sie dann, wie viele Physiopraxen sich diesen Pool teilen — bei acht ist das Gebiet dicht besetzt, bei vier ist rechnerisch Raum. Entscheidend ist nicht die Gesamtzahl, sondern ob Sie fußläufig zu mindestens einem starken Verordner liegen.

Wenn im Umkreis mehrere ältere Kolleg:innen ihre Praxis führen, lohnt zusätzlich der Blick auf die Übernahme statt der Neugründung — mit bestehenden Verordner-Beziehungen und Patientenstamm ab Tag 1. Erst das Zusammenspiel aus Verordner-Dichte, Wettbewerb am selben Pool und Ihrer eigenen Terminkapazität ergibt ein belastbares Bild.

Ehrlich bleiben: Diese Überschlagsrechnung ist Orientierung, keine Garantie. Die 4 Behandlungen je Versicherte:r sind ein bundesweiter Durchschnitt und schwanken regional stark; Verordnungen fließen nicht automatisch zur nächstgelegenen Praxis. Verlässliche Zahlen liefert erst ein Businessplan mit Steuerberater:in — inklusive Vergütungssätzen, Auslastung und Investitionen. Nutzen Sie das Kalkül, um Standorte zu sortieren, nicht, um einen Umsatz zu versprechen.
Der Grundkonflikt

Stadt vs. Land für die Therapiepraxis

Zwei Welten mit gegenläufigen Stärken. Für Heilmittel und Psychotherapie fällt die Abwägung sogar unterschiedlich aus.

Ländliche Region

Land: weniger Konkurrenz, treue Nachfrage

  • Weniger Heilmittelpraxen je Verordner — planbare Auslastung
  • Psychotherapie: eher offene Planungsbereiche, leichter ein Kassensitz
  • Günstigere Mieten, oft ebenerdige Flächen mit Parkplatz
  • Treue Patient:innen, hohe Grundauslastung
  • Geringere Kaufkraft, kleineres Selbstzahler-Segment
  • Fachkräftemangel — Therapeut:innen schwer zu finden
Stadt / Ballungsraum

Stadt: viele Verordner, aber harter Wettbewerb

  • Hohe Dichte an Ärztehäusern und verordnenden Praxen
  • Hohe Kaufkraft und großes Selbstzahler-Potenzial
  • Leichteres Recruiting durch mehr Fachkräfte
  • Viele Heilmittelpraxen teilen sich denselben Verordner-Pool
  • Psychotherapie-Bereiche oft gesperrt — Kassensitz knapp
  • Hohe Mieten, schwierige Erdgeschoss-Flächen mit Parken
Kein Entweder-oder: Für Heilmittel ist das wachsende Umland mit einem Ärztehaus und guter Erreichbarkeit oft die interessanteste Kombination — genug Verordner, moderater Wettbewerb, bezahlbare ebenerdige Flächen. Für einen Psychotherapie-Kassensitz kann gerade die Bereitschaft, in einen offenen, ländlicheren Planungsbereich zu gehen, den entscheidenden Unterschied machen.
Aus der Praxis

Typische Fehler bei der Standortwahl

Die meisten Fehlentscheidungen entstehen nicht aus fehlenden Daten, sondern aus der falschen Leitfrage.

Fehler 1

Nur auf die Einwohnerzahl schauen

Für eine Heilmittelpraxis zählt zuerst die Verordner-Dichte. Ein Wohngebiet ohne Arztpraxen in der Nähe trägt keine Physiopraxis, egal wie viele Menschen dort wohnen.

Fehler 2

Einzugsgebiet per Luftlinie

Flüsse, Bahntrassen und fehlende Verbindungen verzerren den Radius. Was zählt, ist die reale Fahrzeit — für Patient:innen, die mehrmals pro Woche kommen.

Fehler 3

Psychotherapie ohne Sitzprüfung planen

Erst die Immobilie suchen und dann feststellen, dass der Planungsbereich gesperrt ist. Der freie Kassensitz gehört an den Anfang, nicht ans Ende.

Fehler 4

Barrierefreiheit unterschätzen

Erstes OG ohne Aufzug, keine Parkplätze — für ältere oder bewegungseingeschränkte Patient:innen eine echte Hürde. Die beste Verordner-Lage verpufft dann.

Fehler 5

Raumanforderungen zu spät prüfen

Nicht jede Fläche erfüllt die Zulassungsempfehlungen. Behandlungsraumgrößen und Geräteflächen gehören vor die Unterschrift, nicht danach.

Fehler 6

Den geteilten Verordner-Pool übersehen

Fünf Physiopraxen rund um dasselbe Ärztehaus sind mehr Konkurrenz als es aussieht. Zählen Sie nicht nur die Verordner, sondern auch, wer sie schon bedient.

Weiterlesen

Standortwahl im Gesamtbild

Die passenden Bausteine auf dem Weg in Ihre eigene Therapiepraxis.

Standort steht — Termine fehlen?

Lokale Sichtbarkeit für Ihre Therapiepraxis.

Den Standort wählen Sie selbst — mit den Daten und Kriterien auf dieser Seite. Danach übernehmen wir den Teil, der Patient:innen und Verordner bringt: lokale Auffindbarkeit, Website, Bewertungen und Ihre eigene Praxis-KI. Standort- und Sichtbarkeits-Analyse gehören bei uns zum Website- und Marketing-Paket — keine separate Standortberatung.

Häufige Fragen

Standortwahl Therapie — kurz erklärt

Wovon hängt der Standort einer Heilmittelpraxis (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie) ab?
Vor allem von der Nähe zu verordnenden Arztpraxen. Heilmittel werden fast ausschließlich ärztlich verordnet — ohne Rezept keine Kassenleistung. Hauptverordner sind Allgemeinmediziner:innen und Orthopäd:innen. Wer fußläufig zu mehreren dieser Verordner liegt, hat einen strukturell gesicherten Rezeptzufluss. Eine Bedarfsplanung wie bei Ärzt:innen gibt es für Physio, Ergo und Logo nicht; die Kassenzulassung läuft über § 124 SGB V und ein Institutionskennzeichen.
Warum ist die Nähe zu verordnenden Ärzt:innen der härteste Standortfaktor?
Weil die Nachfrage einer Heilmittelpraxis fast vollständig aus ärztlichen Verordnungen entsteht. 2018 stellten Allgemeinärzt:innen 34 Prozent und Orthopäd:innen 27,2 Prozent aller Heilmittel-Verordnungen aus — zusammen über 60 Prozent (WIdO). Patient:innen lösen ihr Rezept meist wohnortnah und in der empfohlenen Praxis ein. Kurze Wege, ein gutes Verhältnis zu den verordnenden Praxen und schnelle Termine entscheiden deshalb stärker über die Auslastung als die reine Einwohnerzahl.
Gilt für Physio-, Ergo- und Logopädie-Praxen eine Bedarfsplanung?
Nein. Anders als Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen unterliegen Heilmittelerbringer keiner Bedarfsplanung und keiner 110-Prozent-Sperre. Für die Abrechnung mit den gesetzlichen Kassen brauchen Sie eine Zulassung nach § 124 SGB V von der Arbeitsgemeinschaft der Landesverbände der Krankenkassen und der Ersatzkassen. Geprüft werden Ausbildung, Praxisausstattung und die Anerkennung der Versorgungsverträge — nicht der regionale Bedarf. Den Standort wählen Sie also frei.
Was ist bei der Psychotherapie anders?
Psychotherapeut:innen mit Kassensitz fallen — anders als Heilmittelpraxen — unter die Bedarfsplanung. Sie gehören zur allgemeinen fachärztlichen Versorgung und werden auf Ebene der Kreise beplant. Ab einem Versorgungsgrad von 110 Prozent ist ein Planungsbereich gesperrt; einen Kassensitz bekommen Sie dann meist nur durch Nachbesetzung, Sonderbedarf oder Jobsharing. In vielen Ballungsräumen sind die Bereiche gesperrt. Als Privatpraxis sind Sie dagegen frei im Standort und rechnen über Selbstzahler oder Kostenerstattung ab.
Wie viel gibt die GKV für Heilmittel aus — und was bedeutet das für den Standort?
Die gesetzlichen Kassen gaben 2024 rund 13,3 Milliarden Euro für Heilmittel aus, gut doppelt so viel wie 2015 (6,65 Milliarden). Rund 82 Prozent aller Verordnungen entfallen auf die Physiotherapie. Die Grundnachfrage ist also hoch und wächst mit einer alternden Bevölkerung. Entscheidend bleibt aber, dass dieser Bedarf über ärztliche Verordnungen fließt — der Markt trägt Ihre Praxis nur mit genug Verordnern in der Nähe.
Lohnt sich eine reine Privat- oder Selbstzahlerpraxis?
Ohne Kassenzulassung sind Sie frei im Standort und in den Preisen und rechnen mit Selbstzahler:innen, Privatversicherten und Prävention ab. Dann zählt die Kaufkraft stärker: Der Bundesschnitt liegt 2026 bei 31.193 Euro je Einwohner (NIQ), die Spanne reicht von Starnberg (42.751 Euro) bis Gelsenkirchen (24.538 Euro). Ehrlich bleibt: Eine reine Privatpraxis verzichtet auf den verordnungsgetriebenen Grundstrom und braucht ein tragfähiges Nachfragepotenzial und eine klare Positionierung.
Wie groß sollte das Einzugsgebiet einer Therapiepraxis sein?
Das hängt vom System ab. Heilmittel-Patient:innen kommen häufig mehrmals pro Woche und bleiben wohnortnah — hier zählt ein enger, gut erreichbarer Radius mit Parkplätzen. In der Psychotherapie ist die Nachfrage vielerorts größer als das Angebot; Patient:innen nehmen für einen Platz auch längere Wege in Kauf, das mögliche Einzugsgebiet ist größer. Definieren Sie den Radius über die Fahrzeit, nicht über die Luftlinie.
Übernehmen Sie die Standortanalyse für meine Praxis?
Eine separate Standortberatung bieten wir nicht. Standort- und Sichtbarkeits-Analyse gehören bei uns zum Website- und Marketing-Paket: Wenn Ihr Standort steht, machen wir ihn lokal auffindbar — mit Website, Google-Profil, Bewertungen und Ihrer eigenen Praxis-KI. Die Standortentscheidung selbst treffen Sie mit den Daten und Kriterien auf dieser Seite.

Quellen: WIdO-Heilmittelbericht / Heilmittelreport (Basis GKV-Heilmittel-Informationssystem GKV-HIS) — wido.de und gkv-heilmittel.de; Heilmittelausgaben 2024 & Verordnerstruktur — aerztezeitung.de. Kassenzulassung Heilmittel: § 124 SGB V — gesetze-im-internet.de; Zulassungsverfahren & -empfehlungen — vdek.com / gkv-spitzenverband.de. Bedarfsplanung Psychotherapie (110-%-Sperre, Kassensitz) — kbv.de und g-ba.de. Kaufkraft: NIQ „Kaufkraft Deutschland 2026" (14.01.2026) — nielseniq.com.